Zum Nachlesen: Projektvorstellung

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Projektanlass

Den Anlass zum Projekt ProMinKa geben sowohl Praxis als auch Theorie: Bereits im Jahr 2010 hat sich eine Gruppe von Müttern türkischer Herkunft mit dem Wunsch nach Austausch unter dem Dach der AWO Ruhr-Mitte zusammengefunden. Jede von ihnen hatte in Bezug auf ihr behindertes Kind oder ihre behinderten Angehörigen zahlreiche Fragen. Da sie bei vielen Behörden keine umfassenden Informationen erhielten und drohten, im ‚Förderdschungel‘ unterzugehen, schlossen sich mehrere Mütter zusammen, um ihren Erfahrungen Raum zu geben. Die gegenseitige Unterstützung und der regelmäßige Austausch wurden durch Hilfsangebote und zusätzliche Expertise des Migrationsdienstes des Unterbezirks ergänzt. So entwickelten sich die Frauen über Jahre hinweg zu einer selbstbewussten Selbstvertreterinnengruppe, die maßgeblich an der Entstehung von ProMinKa beteiligt war. Die Mütter wissen durch ihren eigenen Weg genau, wo Barrieren im deutschen Bildungs- und Hilfesystem liegen, die es abzubauen gilt. Für das Projekt und die wissenschaftliche Begleitung wurden daher auch die Lebenssituationen der Familien zur Grundlage für die Arbeit im Projekt.

Die Erfahrungen der Herner Selbstvertreterinnengruppe spiegeln sich in empirischen Studien wider. Hierzu zählt u. a. die Forschungsarbeit „Migrationsbedingt behindert?“ von Donja Amirpur (2016; zusammenfassend 2020), die Einblicke in die Lebenssituationen von migrantisierten Familien mit einem behinderten Kind unter Berücksichtigung des Aspektes sozialer Ungleichheit bietet. Die am Arbeitsbereich Interkulturelle Bildung der Universität Bremen durchgeführte Studie analysiert anhand biographisch ausgerichteter Interviews die lebensgeschichtlichen Erfahrungen von Familien türkischer und iranischer Herkunft mit einem behinderten Kind aus einer intersektionalen Perspektive. Befragt wurden dreizehn Familien, die alle der ersten Einwanderungsgeneration angehörten – also eine reale Migrationserfahrung hatten. Aus den retrospektiven Erzählungen der befragten Familien konnten Erkenntnisse über ihre Orientierungen im Hilfesystem rekonstruiert werden. Familien im Kontext von Migration und Behinderung suchen nach:

  1. sozialer Absicherung (Bleibeperspektiven, Absicherung finanzieller Art, Unsicherheit beim Versterben der Eltern),

  2. Entlastung (wenig Entlastung durch Hilfesystem; Entlastung meist nur durch die ethnische Community),

  3. Möglichkeiten der Handlungsbefähigung (gesellschaftliche Teilhabe; Wunsch nach Selbstständigkeit und Autonomie der Kinder).

Vor allem der Wunsch nach einer inklusionsorientierten Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe wurde ihnen bislang verwehrt. In der Studie geben viele befragte Eltern an, dass sie nicht systematisch über mögliche Bildungs- und Unterstützungsangebote informiert worden seien. Neben Informationsdefiziten sind es Machtasymmetrien mit denen migrantisierte Familien immer wieder konfrontiert sind. So sei der bürokratische Aufwand, der mit Beantragung und Durchsetzung von Ansprüchen einhergeht, für die Familien mit großen Schwierigkeiten verbunden. Durch sprachliche ungleiche Voraussetzungen und geforderte Deutschkenntnisse wird es den Familien erheblich erschwert, Zugang zu Hilfe- und Unterstützungsleistungen zu finden: „Selbst wenn sie die deutsche Sprache alltagstauglich beherrschen, stellt die Verwaltungssprache eine Hürde dar. Die Familien können ihre Anliegen oft nicht ausreichend differenziert vortragen und ihre Bedürfnisse nicht in einer von den Institutionen gewünschten Form mitteilen“ (Amirpur 2020, S. 130). Ohne ausgefeilte Deutschkenntnisse sei es für die Familien deshalb kaum möglich, ihre Ansprüche ohne Unterstützung geltend zu machen. Zudem berichten die befragten Eltern immer wieder von Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen, sowie Vorurteilen seitens der Behörden und Bildungsinstitutionen. Diese Erfahrungen behindern die Familien in ihren Bestrebungen, gute Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder zu realisieren, tragen zur strukturellen Benachteiligung der Kinder bei und stellen Barrieren für ihre gesellschaftliche Teilhabe dar (vgl. Amirpur 2020).

Projektperspektiven

ProMinKa hat unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt. Damit konnte die Institution Kindertageseinrichtung unter den unterschiedlichen Betrachtungswinkeln von Familien und pädagogischen Fachkräften, der prozessbegleitenden Projektleitung sowie der wissenschaftlichen Begleitung erkannt, begleitet und miteinander verknüpft werden. Dadurch wiederum konnte ein gegenseitiger Austausch von Perspektiven angeregt werden.

Die Mütter haben mit vielen Barrieren zu kämpfen im Bildungs- und Hilfesystem, die ihren Vorstellungen von einem guten Leben im Weg stehen. Aus der Gruppe der Selbstvertreterinnen scheint sich eine spezielle Kraft zu entwickeln. Und die Gruppe scheint Sicherheit zu geben:

Birbirimize herşeyi anlatıyoruz.“

Wir erzählen uns alles.“

Burası (bu grup) bizim için ayrı bir dünya, bir okul. Sizin bir dünyanız var ve bizim de bir dünyamız var. Böyle açıklardım...“

Dieser Ort [die Gruppe] ist für uns eine andere Welt, eine Schule. Ihr habt eine Welt und wir haben eine Welt. So würde ich es sagen.“

Bu gerçekten öyle. Burada kendimizi yeniden keşfedebiliyoruz.“

Das ist wirklich so. Hier kommen wir aus uns heraus.“

Burası bizim kendimize ait dünyamız. Çünkü burada özeliz ve mutluyuz.“

Das ist unsere eigene Welt hier. Denn hier sind wir besonders und glücklich.“

Ve kendimizi güvende hissediyoruz.“

Und fühlen uns sicher.“

Ve birbirimizi tanıyoruz ve biliyoruz. Nasıl söylesem.. Ben ağladığım zaman (gruptaki bir bireyi işaret ederek) o benim neden gözyaşı döktüğümü anlıyor. Ama başka birisine kendimi açıklamak zorunda kalıyorum.“

Und wir kennen uns. Wie soll ich sagen. Wenn ich weine, dann versteht sie (eine aus der Gruppe) warum ich Tränen vergieße. Aber jemand anderem muss ich das erklären.“

Ve üstelik o beni anlamıyor bile, ona kendimi açıkladığım halde.“

Und sie versteht es auch nicht, obwohl du es erklärst.“

Seni anlamıyorlar ve sana acıyorlar. Oysaki
bizde acınacak hiçbirşey yok.”

Sie verstehen es nicht und bemitleiden dich. Obwohl es an uns nichts gibt, dass bemitleidenswert wäre.“

Wie hat sich die Selbstvertreterinnengruppe gegründet und welches Anliegen verfolgen die Vertreterinnen? Die Leiterin der Gruppe, Çiğdem Ötgüç, ermöglicht einen kurzen Einblick:

Grubumuz 10 yıl önce engelli göçmen ailelerinin sorunlarına birlikte çözüm bulabilmeleri için toplanmaya başladı. Grubumuzda çoğunluğumuzun çocukları engelli, kendisinde ve ailesinde engellisi olan üyelerimiz de mevcut hepimiz aynı acıları aynı sorunları paylaşıyoruz ve AWO'da bize ayrılan yerimizde sohbet ederek hem sorunlarımızdan bahsediyoruz hemde tecrübelerimizi bilgilerimizi paylaşarak sorunlarımızı birlikte çözüyoruz.

„Unsere Gruppe ist vor 10 Jahren zusammengekommen, um die Probleme von Familien im Kontext von Migration und Behinderung gemeinsam zu lösen. Die meisten Frauen in unserer Gruppe haben Kinder mit einer Behinderung oder haben Familienangehörige mit Behinderung oder sind selbst davon betroffen. Wir alle teilen dieselben Sorgen und Probleme. In dem von der AWO zur Verfügung gestellten Raum sprechen wir über unsere Sorgen und lösen diese gemeinsam, indem wir unsere Erfahrungen und unser Wissen teilen.

Grubumuza ilk katıldığımızda çoğu haklarımızdan habersiz olduğumuzu fark ettik ve gruba davet ettiğimiz uzmanlar sayesinde haklarımızı öğrendik.

Durch die Teilnahme an den Treffen, haben wir gemerkt, dass wir nicht all unsere Rechte kennen. Die von uns eingeladenen Expert:innen, haben uns über unsere Rechten aufgeklärt.

Engelli bir bireyle yaşamak çok zordur her zaman güçlü olmanız gerekir ve bu durum insanın psikolojisini zamanla yorar bu noktada grupta psikolojik olarak da birbirimize destek veriyoruz böylelikle bireylerin kendisine olan güvenide artıyor. Gruba katılanlar kendilerini ifade ederken şöyle diyorlar "bizim hayatımız ikiye ayrılır guruptan önceki ben ve guruptan sonraki ben" diye çünkü katılmadan önce yorgun, mutsuz, umutsuz olanlar şimdi kendine güvenen herşeyi başarabileceğine inanan ve yalnız olmadığını hissedip geleceğe umutla bakan arkadaşlarımız olarak hayatlarına devam ediyorlar.

Das Leben mit einem behinderten Menschen ist herausfordernd. Man muss immer stark sein und dieser Umstand kann psychisch sehr belastend sein. An dieser Stelle kommt der Gruppe auch eine besondere Rolle zu, weil wir uns gegenseitig unterstützen, unser Selbstvertrauen aufzubauen. Die Gruppenteilnehmerinnen beschreiben sich folgendermaßen: ‚Unser Leben ist zweigeteilt: Das Ich vor der Teilnahme an der Gruppe und das Ich danach‘. Diejenigen, die vor der Gruppe erschöpft, unglücklich und hoffnungslos waren, glauben nun daran, dass sie alles erreichen können und haben das Gefühl, nicht allein zu sein. Sie schauen hoffnungsvoll in die Zukunft und leben ihr Leben.

Bizler grup olarak tecrübelerimizi ihtiyacı olan herkesle paylaşmak isteriz, Çocuklarımızı büyütürken karşlaştığımız zorluklar ve bunları nasıl aştığımızı anlatarak karşımızdakilerine bilgilendirmek bizleri mutlu eder.

Wir wollen als Gruppe unsere Erfahrungen mit betroffenen Familien teilen; wir freuen uns darüber, aufzuklären, welche Barrieren uns beim Aufwachsen unsere Kinder begegnet sind und wie wir diese überwunden haben.

Bundan sonraki beklentimiz dileğimiz bizden sonraki engellilerin ve ailelerinin sorunlarının daha aza indirilmesidir. Bizim yaşamış olduğumuz problemlerle uğraşmak zorunda olmasınlar, çocuklarımızı bıraktığımız ve bırakacağımız kurumların daha konforlu ve biz göçmen ailelerin inançlarına görede düzenlenmesini isteriz.”

Unser Wunsch und unsere Erwartung für die Zukunft ist, dass behinderte Menschen und ihre Familien weniger Barrieren begegnen. Sie sollen nicht die Barrieren erleben müssen, mit denen wir uns auseinandersetzen mussten. Die Institutionen, denen wir unsere Kinder anvertraut haben und anvertrauen werden, sollten ansprechend sein und sich den Werten von Migrantenfamilien anpassen.“

Wenn Sie mehr über die Selbstvertreterinnengruppe erfahren möchten, wenden Sie sich an den Migrationsdienst der AWO Ruhr-Mitte.

Am Projekt ProMinKa beteiligten sich insgesamt, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten sieben Kindertageseinrichtungen aus dem AWO Unterbezirk Ruhr-Mitte (freiwillig nach offener Einladung) sowie Trägervertreter:innen aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Veränderungsprozesse können in jeder Institution, in einzelnen Gruppen oder auch bei Einzelpersonen angebahnt werden. Vor allem Projekte wie ProMinKa bieten einen guten Rahmen für die Auseinandersetzung mit der eigenen Handlungspraxis und deren inklusionsorientierter Weiterentwicklung. Das heißt, dass ein Team, eine Konzeption oder eine gesamte Einrichtung lernen muss, Ungewissheiten auszuhalten (vgl. Platte & Amirpur 2017, S. 32), denn Irritationen, Zweifel und Widerstände sind Teil von Veränderungsprozessen. Zum Anstoß dieser Prozesse, wurde eine Steuergruppe geründet. Die Beteiligten dieser Steuergruppe waren als Multiplikator:innen für das Projekt vorgesehen und bestanden aus je zwei Fachkräften pro Kita sowie Vertreter:innen des Fachbereichs Migration, der Behindertenhilfe und des Kindergartenwerkes des Unterbezirks. Eine der wesentlichen Aufgaben der Steuergruppe war es, an den regelmäßigen Foren, die eine Schnittstelle zwischen den wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen und Praktiker:innen war, teilzunehmen und den weiteren Projektverlauf zu gestalten.

Stimmen aus der Praxis zum Projekt

„Während des Projekts stellten wir im Team fest, dass wir auf ganz eigene Besonderheiten und Barrieren stießen und uns erst mal grundsätzlich mit unseren eigenen Ansprüchen und Ansichten auseinandersetzen mussten. Unsere Erkenntnis: Nicht die Kinder und ihre Familien müssen sich an uns anpassen. Wir müssen in unserer Einrichtung eine Umgebung schaffen, in denen die Kinder sich gut entwickeln können und unabhängig von ihrer persönlichen Geschichte und ihrer Herkunft wohl fühlen.“ (Kita Pusteblume)

„Wir haben unsere Haltung und Handlungen im Kita Alltag kritisch hinterfragt und gegebenenfalls verändert. Es ist gut, „alte Verhaltensmuster“ kritisch zu hinterfragen und Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“ (Kita Rose)

„Wir reflektieren regelmäßig unsere pädagogische Grundhaltung und unsere konzeptionellen Ansätze und entwickeln diese so stets weiter. Denn wir stehen immer wieder vor neuen Herausforderungen; es gibt immer wieder Situationen, die es noch nicht gab.“ (Kita Lilie)

„Für unsere Kita gilt, dass jedes einzelne Kind, unabhängig von jeglichen Zuschreibungen, eine autonome Persönlichkeit mit individuellen Bedürfnissen und Lebensbedingungen ist. Dies ist uns durch das Projekt ProMinKa noch bewusster geworden.“ (Kita Fuchsie)

Perspektive: Projektleitung

Projektleitungen: Nadine Albrecht und Lubna Iqbal

Die pädagogischen Fachkräfte in den beteiligten Kindertageseinrichtungen wurden durch eine externe Prozessbegleitung – den beiden Projektleitungen von ProMinKa – in der systematischen Gestaltung von Veränderungsprozessen begleitet und dabei unterstützt, für Kinder und ihre Familien an der Schnittstelle von Migration und Behinderung, Strukturen zu schaffen, die eine gleichberechtigte Teilhabe an früher Bildung, Betreuung und Erziehung in den Einrichtungen ermöglichen. Die Projektleitungen standen den Projektkitas während der gesamten Projektlaufzeit unterstützend und beratend zur Seite, damit diese die Ideen und Vorstellungen aller Beteiligten reflektieren, abstimmen und gemeinsam umsetzen konnten. Die Projektleitung sollte mit dem Blick ‚von außen‘ dabei helfen, die inklusive Qualität des Prozesses zu prüfen und eine gemeinsame Grundlage für Veränderung zu schaffen (vgl. Montag Stiftung 2015, S. 13). Zu den Aufgaben der Projektleitungen im Rahmen von ProMinKa gehörte vor allem:

  • Das Kennenlernen der Einrichtungsstrukturen durch Hospitationen sowie Teilnahmen an Elterncafés und Teamsitzungen,

  • die Sensibilisierung der pädagogischen Fachkräfte für die Themen Inklusion, Migration und Behinderung,

  • das Anregen von Reflexionsprozessen über eigene Einstellungen und Werthaltungen bei den pädagogischen Fachkräften und Teams

  • sowie das Anregen von Veränderungsprozessen und das Erkennen von Widerständen, um Kitas als „inklusionsorientierte Bildungseinrichtungen“ zu gestalten und ein gemeinsames Spielen und Lernen zu erzielen,

  • die Unterstützung mit einem neutralen Blick von außen bei Unsicherheiten und Uneinigkeiten der Fachkräfte (Bsp.: „Soll ein LWL-Antrag gestellt werden oder nicht?“),

  • die Gestaltung einer guten Zusammenarbeit mit den Familien,

  • die Vorbereitung, Vorstellung und Bearbeitung neuer Methoden und Literatur in den Teams (siehe: „Zum Annehmen: Methoden & Material“)

Weitere Aufgaben der Projektleitungen waren:

  • Die Regelmäßige Kontaktpflege zur Selbstvertreterinnengruppe der Mütter in Herne (Organisation von Ausflügen, Lesungen etc.),

  • der Austausch mit dem Migrationsdienst der AWO Ruhr-Mitte und erste Überlegungen zur Etablierung weiterer Selbstvertreter:innengruppen,

  • die Ermöglichung und Förderung eines multiprofessionellen Austauschs zwischen den pädagogischen Fachkräften der teilnehmenden Kitas, den Familien, dem Fachdienst Integration und Migration, den angrenzenden Institutionen der frühen Kindheit im Sozialraum sowie Vertreter:innen aus der Wissenschaft,

  • die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Projektvorstellungen in verschiedenen Gremien, z. B. im Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung, Integrationsrat der Städte Herne und Bochum, Sozialraumkonferenzen, verschiedene Arbeitskreise in der Umgebung (bspw. Ebita Wattenscheid, Arbeitskreis Integration u. a.).

Leitung: Prof. Dr. Andrea Platte (TH Köln), Prof. Dr. Donja Amirpur (HS Niederrhein)
Wissenschaftliche Mitarbeit: Oksana Schulz (TH Köln), Sarah Hödtke (HS Niederrhein)
Studentische Mitarbeit: Yasemin Aslanhan, Selina Mekelburg, Maike Peschka

Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung im Rahmen von ProMinKa war es, die in der Praxis entwickelten und erprobten Maßnahmen zur Unterstützung von Kindern und ihren Familien an der Schnittstelle von Migration und Behinderung sowie die bei den pädagogischen Fachkräften angeregten Professionalisierungsprozesse begleitend zu beforschen. Hinsichtlich der Initiierung solcher inklusiver Veränderungsprozesse innerhalb von Institutionen der frühen Bildung, Betreuung und Erziehung besteht noch Forschungsbedarf, entsprechend steht der Nachfrage nach wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen noch ein geringer Wissensstand gegenüber. Für die wissenschaftliche Begleitung waren vor diesem Hintergrund die folgenden Fragestellungen forschungsleitend:

  • Wie kann eine Kita inklusive Kulturen und Strukturen entwickeln, die eine differenzsensible und diskriminierungskritische Pädagogik der frühen Kindheit unter Bedingungen von Migration und Behinderung ermöglichen?
  • Mit welchen Barrieren bzw. Benachteiligungen sind Kinder an der Schnittstelle von Migration und Behinderung und deren Familien in kindheitspädagogischen Einrichtungen konfrontiert und wie können diese minimiert bzw. abgebaut werden – sowohl strukturell als auch konkret in der pädagogischen Handlungspraxis?
  • Wann, zu welchem Zeitpunkt und mit wem sind Verankerungen von Kooperationen zwischen Kita und Sozialraum bzw. angrenzenden Institutionen notwendig und sinnvoll?

Die wissenschaftliche Begleitung analysierte damit a) im Kontext des institutionellen Wandels frühkindlicher Betreuung und Bildung b) die Alltagspraxen in Kindertageseinrichtungen im Spiegel von Migration und Behinderung c) vor dem Hintergrund der oben aufgezeigten Probleme an der Schnittstelle von Migration und Behinderung und d) unter Berücksichtigung der neuesten Erkenntnisse zur Professionalisierung für die Migrationsgesellschaft in inklusionsorientierten Kindertageseinrichtungen – im Zusammenspiel von Forschung und Praxis (siehe: „Zum Weiterdenken - wissenschaftliche Vertiefungen“).

2018

Praxisentwicklung Projektleitung AWO Projektbegegnungen
(Theorie-Praxis-Austausch)
Wissenschaftliche Begleitung TH Köln & HS Niederrhein

04/2018

Projektbeginn

05/2018

Auftaktveranstaltung

Kennenlernen der Projektbeteiligten

Marktplatz Studierendenprojekte

06/2018

Beginn der Projektarbeit in den Einrichtungen: Kennenlernen der teilnehmenden Kindertageseinrichtungen durch Hospitationen und Teilnahme an Teamsitzungen, Sensibilisierung der pädagogischen Fachkräfte für die Themen Migration, Behinderung und inklusive Veränderungsprozesse

07/2018

Kennenlernen des Index für Inklusion: Kernidee: Indikatoren benennen, an denen sich Inklusion ablesen lässt. Jeder Indikator zeigt konkrete Hinweise für Inklusion

07-09/2018

Erhebungsphase: Interviews mit den pädagogischen Fachkräften aus den Projekteinrichtungen

09/2018

Forum I: Einführung

1. Begriffsbestimmungen: Inklusion, Professionalisierung, Migrationsgesellschaft

2. Aufbau und Arbeiten mit dem Index für Inklusion

3. Ideen und Methoden für die Arbeit mit dem Index für Inklusion

10/2018

Erhebungsphase: Gruppendiskussion mit Müttern der Herner Selbstvertreterinnengruppe

12/2018

Abschluss und Zusammenfassung des Jahres nach den ersten Fachtagen, Foren und Besuchen der Teamsitzungen

Rückblick: Sensibilisierter Umgang mit dem Thema, Partizipation

10-12/2018

Erhebungsphase: Teilnehmende Beobachtungen in den Projekteinrichtungen

2019

Praxisentwicklung Projektleitung AWO Projektbegegnungen
(Theorie-Praxis-Austausch)
Wissenschaftliche Begleitung TH Köln & HS Niederrhein

02/2019

Forum II: Inklusive Kulturen

1. Forschungsstand zur Schnittstelle Migration & Behinderung

2. Ergebnisse der Forschungsarbeit „Migrationsbedingt behindert?“

3. Ideen und Methoden für die Praxis

02/2019

Erhebungsphase: Vertiefende Interviews mit Müttern der Herner Selbstvertreterinnengruppe

04/2019

Rückblick – 1 Jahr ProMinKa: Sensibilisierung für das Thema, Kennenlernen und Arbeiten mit dem Index für Inklusion, Erproben neuer Methode

Intensivierung des Kontaktes mit der Selbstvertreterinnengruppe: Organisation eines gemeinsamen Ausflugs nach Köln mit einer Lesung von Sandra Roth mit türkischer Übersetzung; Idee zur Gründung einer weiteren Selbstvertreterinnengruppe in Bochum

09/2019

Erhebungsphase: Vertiefende Gruppendiskussion mit Müttern der Herner Selbstvertreterinnengruppe

10/2019

Forum III: Inklusive Strukturen

1. Zwei Seiten einer Medaille

2. Erste Ergebnisse aus bisherigen Erhebungen

10/2019

Erhebungsphase: Gruppendiskussionen mit pädagogischen Fachkräften aus den Projekteinrichtungen

10-12/2019

Erhebungsphase: Vertiefende Interviews mit Fachkräften der Frühförderung, Kinderärzt:innen Migrationsberatung und Wissenschaftler:innen

Erhebungddphase: Weitere teilnehmende Beobachtungen in den Projekteinrichtungen

2020

Praxisentwicklung Projektleitung AWO Projektbegegnungen
(Theorie-Praxis-Austausch)
Wissenschaftliche Begleitung TH Köln & HS Niederrhein

01/2020

Konzeptionstag Leichte Sprache: Gefahr der einzigen Sprache“ – Bewusstsein schaffen, wie wir Sprache verwenden und wie durch Sprache Menschen adressiert werden

05/2020

Treffen: Einrichtungsleitungen:

Vorstellung von Methoden, ProMinKoffer und kleine Arbeitsaufträge je Kita

06/2020

Forum IV: Inklusive Praktiken

1. Virtuelle Vernissage „Bilder.Buch.Geschichten“

2. Impulse für eine inklusive Pädagogik

3. Anwendungsbeispiele

09/2020

Leitungstreffen:

Inklusive Kulturen, Strukturen und Praktiken

12/2020

Forum V: Inklusive Bildung

Definitionen von Inklusion und Wörter zum Umgang mit inklusiven und weniger inklusive Begrifflichkeiten

11/2020

Interpretationsworkshop mit Wissenschaftler:innen, Praktiker:innen und der ProMinKa-Projektleitung

2021

Praxisentwicklung Projektleitung AWO Projektbegegnungen
(Theorie-Praxis-Austausch)
Wissenschaftliche Begleitung TH Köln & HS Niederrhein

01-03/2021

Fertigstellung der Konzeption (Webseite), Abschlussfachtag in den Kitas

01/2021

Konzeptionstag: Konzeptionsentwicklung mit dem Index für Inklusion

03/2021

Projektfachtag

Gestaltung & Umsetzung: tenolo.de