Zum Annehmen: Methoden & Material

Eine Kindertageseinrichtung „kann sich dann als inklusiv bezeichnen, wenn es ihr gelingt, jedes anfragende Kind aufzunehmen und Bedingungen zu bieten, in denen es sich entfalten und weiterentwickeln kann“ (Platte 2014, S. 90).

Index für Inklusion – ein Instrument zur Organisationsentwicklung

Mit dem Index für Inklusion (z.B. Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft 2015; Achermann et al. 2019; Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft 2011) bietet sich eine vielfach eingesetzte und bewährte Arbeitshilfe, die sowohl die Team- und Einrichtungsentwicklung als auch die professionelle Reflexion der frühpädagogischen Fachkräfte unterstützen kann. Inzwischen in mehr als 70 Ländern in etwa 40 verschiedenen Sprachen eingesetzt, gilt er als renommiertes Instrument zur Qualitätsentwicklung von Bildungseinrichtungen in Orientierung an der bildungspolitischen Leitidee der Inklusion. Er ist von Expert:innen aus Theorie und Praxis unter der Leitung von Prof. Tony Booth (University of Cambridge) und Prof. Mel Ainscow (University of Manchester) entwickelt und im Jahr 2000 erstmals als Material für inklusive Schulentwicklung vom Centre for Studies on Inclusive Education (CSIE) herausgegeben worden. Im deutschsprachigen Raum findet der Index für Inklusion mit seinen verschiedenen Versionen seit vielen Jahren und in zahlreichen Bereichen Anwendung (z.B. Schule, Kindertageseinrichtungen, offene Kinder- und Jugendarbeit, Kommunen).

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Inhaltlich ist der Index in drei Dimensionen aufgeteilt: Inklusive Kulturen, inklusive Strukturen und inklusive Praktiken.

Dimension A: „Inklusive Kulturen schaffen“

Bei der Dimension Inklusive Kulturen schaffen geht es um die Entwicklung einer gemeinsamen Wertebasis. Diese ist von grundlegender Bedeutung für die Inklusionsentwicklung einer Einrichtung, da sie darüber entscheidet, ob Veränderungen angenommen oder abgelehnt werden.

Dimension B: „Inklusive Strukturen etablieren“

Inklusive Strukturen etablieren zielt auf die Bereitstellung sämtlicher zur Verfügung stehenden Ressourcen, um Veränderungsprozesse auf allen Ebenen nachhaltig zu verankern und die Teilhabe aller Kinder sowie die stetige Entwicklung der Einrichtung als Ganzes sicherzustellen.

Dimension C: „Inklusive Praktiken entwickeln“

Schließlich richtet sich die Dimension Inklusive Praktiken entwickeln auf die alltägliche pädagogische Praxis, in der sich die inklusiven Werte und Strukturen der Einrichtung widerspiegeln sollen.

Veränderungsprozesse mit dem Index gestalten

Angelehnt an: Index für Inklusion. Ein Leitfaden für Schulentwicklung 2019, S. 72.

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Stimmen aus der Praxis zum Index

„Durch die Indexfragen haben wir uns intensiv mit den bereitgestellten Themen auseinandergesetzt. Wir haben unsere Haltung und Handlungen im Kita Alltag kritisch hinterfragt und gegebenenfalls verändert. Es ist gut, „alte Verhaltensmuster“ kritisch zu hinterfragen und Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.“ (Kita Rose)

„Der Aktionsplan ist hilfreich für konzeptionelle Planungen.“ (Kita Lilie)

„Die Ausarbeitung mit Indikatoren und Fragen haben unsere Arbeit in der Kindertageseinrichtung professionalisiert und sind eine sehr gute Unterstützung unseres pädagogischen Handelns.“ (Kita Glockenblume)

„Wir konnten im Rahmen des Projekts den Index einführen. Der Kitaindex hat Orientierungshilfe während dieses Prozesses zu inklusiver Entwicklung geboten. Dadurch konnten wir gemeinsam Barrieren, Ressourcen besser erkennen und Praktiken entwickeln.“ (Kita Rose)

Ideen & Methoden für die Arbeit mit dem Index für Inklusion

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  • Ziel: Bei Entwicklungsprozessen können Herausforderungen oder Widerstände auftreten, die das Vorwärtskommen einer Einrichtung beeinträchtigen. Der Index für Inklusion liefert Impulse für die Bewältigung dieser Herausforderungen. Eine Möglichkeit ist, mit Hilfe von Stolpersteinen und Ideensternen Probleme zu visualisieren und nach Lösungen zu suchen. Durch die Verwendung der Fragen soll erreicht werden, von einem ‚Richtig-oder-Falsch‘-Denken abzusehen und stattdessen die eigene Handlungsweise kritisch zu hinterfragen. Anhand der Indikatoren kann verdeutlicht werden, inwieweit eine Inklusionsorientierung bereits erkennbar ist und eine Sensibilisierung der Beteiligten für Prozesse und Strukturen erreicht wurde.

  • Aufgabe: Die pädagogischen Fachkräfte wählen gemeinsam gezielt einen Stolperstein aus, in Hinblick dessen wird der Index gezielt auf Indikatoren hin durchsucht. Hierbei wird sich daran orientiert, hinter welchem Indikator sich Fragen verbergen könnten, die Anregungen für die Überwindung des Stolpersteins geben oder an denen man Ressourcen erkennen kann. Im nächsten Schritt werden passende Fragen, die hinter den Indikatoren stehen, ausgewählt. Die ausgewählten Stolpersteine werden in die Mitte des Plakats geschrieben und alle Fragen aus dem Index aufschrieben und sternförmig um den Stolperstein angeordnet. Ein Abschluss kann durch eine Präsentation des Ideensterns abgerundet werden.

Angelehnt an: Inklusion vor Ort. Der Kommunale Index für Inklusion 2011, S. 159

  • Ziel: Gedanken zu mehreren Index-Fragen sammeln & ins Gespräch kommen.

  • Aufgabe: Von Frage zu Frage gehen, Gedanken zu Fragen/Themen aufschreiben, aufeinander Bezug nehmen.

Aus: Inklusion vor Ort. Der Kommunale Index für Inklusion 2011, S. 155

Beispielfragen für ein Schreibgespräch in türkisch & deutsch.

  • Ziel: Einen inklusiven Plan entwerfen.

  • Aufgabe: Es werden vorab Prioritäten besprochen und in einen Indikator überführt. Jeder Indikator muss unter Berücksichtigung unter anderem der nötigen Ressourcen, Zeitspannen und Zuständigkeiten besprochen und Wege zur Zielerreichung festgelegt werden.

Aus: Index für Inklusion (Tageseinrichtungen für Kinder) 2013, S. 59.

Beispielaktionsplan

Aktionsplan zum Ausfüllen

Der ProMinKoffer als eines der Projektergebnisse

Im Laufe des Projektes hat die Projektleitung das Bedürfnis der Fachkräfte erkannt, in der Kita weiterführende Materialien und Informationen verfügbar zu haben. Hierzu wurden verschiedene Methoden in und mit den Kindertageseinrichtungen erarbeitet. Diese Methoden wurden bei Projektende in dem ProMinKoffer aufgenommen. Der ProMinKoffer soll ein Praxisinstrument und Ergebnissammlung für Kinder, Eltern und Fachkräfte sein. Die begleitende Methodenmappe zu dem ProMinKoffer umfasst dabei folgende Kernbereiche:

  • Gestaltung von alltagsintegrierten Angeboten für Kinder unter Berücksichtigung von Vielfalt und inklusiver Pädagogik,

  • Planung und Umsetzung von begleitenden Familienbildungsveranstaltungen,

  • Führen von ressourcenorientierten Elterngesprächen und Überwindung von evtl. auftretenden sprachlichen Stolpersteinen,

  • systematische Reflexion der eigenen Haltung, Normen und Werte (der AWO-Leitlinien) in Bezug auf biografische Erfahrungen, um für eine inklusive Pädagogik sensibilisiert zu sein,

  • Reflexion der pädagogischen Arbeit mit den Kindern unter Berücksichtigung von Fachwissen zu inklusiver Bildung und Pädagogik.

Inklusion

  1. „Was ist Inklusion? -- Eine Antwort auf diese Frage gibt dieser Comic der Aktion Mensch. In rund 80 Sekunden zeigt er im Strichmännchen-Stil, was Inklusion bedeutet: beim Sport, in der Schule, bei der Arbeit“ (Aktion Mensch (2012): Was ist Inklusion? [Letzter Zugriff am 24.09.2021]
    https://www.youtube.com/watch?v=COJyb3D_JjA

  2. Sascha Müller-Jänsch im Auftrag von Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. (2013): Inklusion – Einfach erklärt. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=Xn7OPFw_ktc

  3. „Ein Erklärfilm unseres Verbundprojektes "Inklusion" mit Gebärdensprache Zusammenhalt einer hochinklusiven Gesellschaft Inklusion oder Exklusion? Wer ist drinnen und wer ist draußen?“ (Heinrich-Böll-Stiftung (2012): Inklusion. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]):
    https://www.youtube.com/watch?v=D0GtxClZlwQ

  4. „Was ist Inklusion? Wenn anders sein normal ist – in 90 Sekunden erklärt. Menschen mit Behinderung wollen arbeiten und in die Schule gehen wie andere auch. Ein Clip, in dem Menschen mit Down-Syndrom Inklusion einfach erklären; produziert mit dem Ohrenkuss-Team der Downtown-Werkstatt für Kultur und Wissenschaft in Bonn.“ (Ohrenkuss im Auftrag von Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Inklusion. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]):
    https://www.youtube.com/watch?v=MKCN2UyJITo

  5. „‚Partizipation hat viele Gesichter‘, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Annedore Prengel. Die ausgeprägteste Form der Partizipation der Kinder sei das Spiel, sagt die Expertin für Inklusion, Teilhabe und Partizipation bei einem Treffen der Expertengruppe ‚Inklusion: Teilhabe und Partizipation‘ der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF).“ (Annedore Prengel (2016): Prof. Dr. em. Annedore Prengel über Formen der Partizipation in der Kita. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]): https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=Q-IK-KxHb-M

  6. „[Eine Diskussion] über die eigene Haltung, die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse, über innere und äußere Gedanken-Mauern und über die Kunst der gelebten Inklusion. ‚Inklusion ist kein Konzept, sondern eine Lebenseinstellung!‘“ (Raul Krauthausen & Andreas Ebenhöh (2020): Inklusion trifft Haltung – Raul Krauthausen spricht mit den #Kitahelden. [Letzter Zugriff am 29.09.2021]): https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=UL-EIJOmMpk

Die Sprachen der Familien

  1. „Alle Kinder sollten als angehende Mehrsprachige betrachtet werden“, fordert die Erziehungswissenschaftlerin Argyro Panagiotopoulou (Universität zu Köln). Sie verfolgt den Translaguaging-Ansatz, der ‚quersprachiges‘ Handeln bezeichnet.“ (Weiterbildungsinitiative: Argyro Panagiotopoulou (2017): Prof. Dr. Argyro Panagiotopoulou über Mehrsprachigkeit in der Kita. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=B9pRImlLxu4

  2. „Im Rahmen des deutsch-türkischen Projekts ‚All together‘ haben sich Einrichtungen aus der Türkei und Deutschland zu einer Initiative zusammengeschlossen, um vom Austausch über die Erforschung ins gemeinsame Handeln zu kommen. Ziel ist es, die Integration und Inklusion von Kindern mit Migrations- und Fluchterfahrung in Deutschland und der Türkei effektiv zu unterstützen.“ (KIKUKinderkulturhaus: Katja Meybohm & Ortrud Schwirz (2021): Sprachliche Bildung durch Kunst - ein deutsch-türkisches Webinar vom KIKU Kinderkulturhaus. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]: https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=McM6Sr4HXQA

Erzählungen & Geschichten:

  1. In der Lehrveranstaltung „(Schrift-)Sprache und (Kinder-)Literatur“ begaben sich die Seminarteilnehmer:innen der TH Köln auf eine Suche nach Geschichten. Welche möchten Kindern (weiter) erzählt werden, die gehört gelesen und nicht vergessen werden sollten, überraschen, erschrecken, erfreuen, berühren und anstoßen.

Andrea Platte (2021): Bilder.Buch.Geschichten. [Letzer Zugriff am 24.09.2021]:
https://kifab-inklusive.web.th-koeln.de/bilder-buch-geschichten/

  1. „Für Kinder mit einer schweren geistigen Behinderung, die hören, aber nicht oder noch nicht sprechen können, sind einfache Gebärden eine große Hilfe auf dem Weg zur Lautsprache. Meike Hein stellte fest: Es fehlt an geeigneten Lernmaterialien. Daher nutzte sie ihre Abschlussarbeit für den Masterstudiengang Handlungsorientierte Medienpädagogik, um eigene Lernvideos zu entwickeln.“ (Technische Hochschule Köln (2020): Gebärden lernen mit der Maus und dem Gorilla.:
    https://www.th-koeln.de/hochschule/mit-der-maus-gebaerden-lernen_78351.php

  2. Taktil illustrierte inklusive Kinderbücher von Anderes Sehen e.V. (2021):
    https://www.anderes-sehen.de/buecher/

  3. Prof. Dr. Sandra Niebuhr-Siebert (2021): Kimi, der Siegel für Vielfalt. [letzter Zugriff am 24.09.2021]:
    https://kimi-siegel.de/

  4. Raul Krauthausen (2013/2021): Kinderbücher zum Thema ‚Behinderung‘.
    https://raul.de/leben-mit-behinderung/kinderbuecher/

Weitere Links mit Raul Krauthausen

https://kunterbunteskinderbuch.de/

https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=iBdFpf_YIqg&t=2581s

  1. Tanja Kollodzieyski (2021): Inklusive Kinderbücher: Ein bisschen Utopie, bitte. [Letzter Zugriff am 24.09.2021]:
    https://www.aktion-mensch.de/menschen-und-geschichten/aus-dem-leben/inklusive-kinderbuecher

Gestaltung & Umsetzung: tenolo.de