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Ins perfekte Ehrenamt begleiten
Die AWO Kreisverbände Bochum und Herne laden ein zum Ehrenamtskompass für alle, die sich engagieren möchten, aber noch nicht wissen, welches Betätigungsfeld das richtige ist.
Ein dreitägiger Workshop unterstützt Interessierte dabei herauszufinden, welches Ehrenamt zu ihnen passt. Sie gewinnen einen Überblick über ihre Stärken und Interessen, sie entdecken aktiv, was sie gerne machen, um das Engagement bewusst, z.B. in den Ruhestand, zu integrieren.
„Mit abwechslungsreichen und kreativen Methoden werden wir die Teilnehmenden auf dem Weg zum perfekten Ehrenamt begleitet“, kündigt AWO-Mitarbeiterin Ulrike Gaus an. „Im Laufe des Workshops erhalten alle das Rüstzeug, um gut in ein Ehrenamt zu starten, das ausfüllt und Freude bereitet. Nicht wir als AWO Kreisverband finden das Ehrenamt, die Teilnehmenden finden ihr Ehrenamt. So wollen wir zusammen vermeiden, dass Einsatzgebiete mehrfach gewechselt werden müssen, was frustrierend sein kann. Ehrenamt soll schließlich Spaß machen und allen Beteiligten etwas bringen.“
Nicht wir finden das Ehrenamt, die Teilnehmenden finden ihr Ehrenamt.
Der Workshop bietet in einem strukturierten Prozess die Chance, das eigene Lebenskonzept zu durchdenken und den Lebenssinn neu zu kreieren. Als fachkundige Referentin führt Susanne Knorr durch den Workshop.
Der Workshop findet am Freitag, 21. April, von 15 bis 19 Uhr und dann noch einmal am Samstag und Sonntag, 22. und 23. April, jeweils von 10 bis 17 Uhr in der Begegnungsstätte der AWO an der Breddestraße 14 in Herne statt.
Alle drei Tage bauen aufeinander auf. Anmeldungen nimmt die AWO sehr gerne unter Tel. 02323 9524-10 oder über u.gaus@awo-ruhr-mitte.de per E-Mail entgegen.
Das Angebot ist kostenfrei, für Verpflegung wird gesorgt.
Redaktion
Ulrike Gaus & Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Bunter Benefiz-Abend hilft den Erdbeben-Geschädigten
Champions-League-Sieger, Zaubermaus, Bundesligalegende: für den guten Zweck schnürten noch einmal alte Bekannte ihre Fußballschuhe beim Benefiz-Abend von AWO und TuS Hordel zugunsten der Erdbeben-Opfer in der Türkei und in Syrien.
So unterstützten Dariusz Wosz (346 Spiele für den VfL Bochum und Hertha BSC), Samy Sané (174 Bundesliga-Spiele für Wattenscheid 09 und Nürnberg) und Thorsten Fink (u.a. Champions-League-Sieger mit dem FC Bayern) zunächst eine Bochumer Stadtauswahl, die gegen die „Alten Herren“ von TuS Hordel antraten. Ratsmitglied Jörg Laftsidis stellte die Truppe zusammen mit Lokalpolitikern unterschiedlicher Parteien und Menschen aus der Bochumer Stadtgesellschaft. Den Anstoß führte symbolisch Bürgermeisterin Gaby Schäfer aus.
Im zweiten Spiel des Abends trat eine türkische Auswahl aus Ex-Profis, aktiv in Deutschland und in der Türkei, gegen die Westfalenliga-Elf von TuS Hordel an. Diese Mannschaft wurde von Fußballtrainer Ahmet Inal zusammengestellt, er selbst stammt aus dem Erdbebengebiet und hat dort Verwandtschaft. Den Fußball-Abend rund machten zuvor die F-Jugendkicker von der DJK aus Hordel sowie die Kinder aus Horsthausen. Nach Abpfiff stand für die Kids das Spielmobil der Falken parat.
Solidarität wird in Bochum immer noch groß geschrieben.
Doch wo die runde zur Herzenssache wird, bleiben Ergebnisse zweitrangig. So freute sich AWO-Unterbezirksvorsitzender Serdar Yüksel vor allem über die Zuschauerzahl; auf Eintritt verzichteten die Veranstalter, stattdessen hielten Ehrenamtliche der AWO Spendenboxen an den Eingängen bereit. „Die Mitwirkenden und 800 Menschen auf den Rängen haben trotz des traurigen Hintergrunds einen schönen Abend erleben dürfen. Ich freue mich, dass so viele gekommen sind. Das zeigt, dass Solidarität in Bochum immer noch groß geschrieben wird. Auch, wenn es keinen Bergbau mehr gibt, ist uns die Kumpel-Mentalität erhalten geblieben.“
Jörg Versen, Manager der TuS Hordel, gehörte zu den Organisatoren des Abends. „Für uns war klar, dass wir helfen und dabei sind. Wir kooperieren schon länger mit der AWO, heute hat sich einmal mehr gezeigt, wozu gebündelte Kräfte fähig sind.“
Heute hat sich einmal mehr gezeigt, wozu gebündelte Kräfte fähig sind.
Denn dazu zählten neben den Ehrenamtlichen der AWO auch die Engagierten der TuS Hordel, boten etwa Bratwurst, Sucuk und Lahmacun an: Stadion-Tradition traf auf türkische Kulinarik, das CentrumCultur der AWO rundete das Angebot mit türkischem Tee ab; auch hier alles für den guten Zweck.
Rund 6000 Euro kamen insgesamt zusammen. Neben den Einnahmen aus den Spendenboxen konnte sich die AWO auch über Spenden freuen von: Abschleppdienst Klotzbach, Schreinerei Reichel, SG Wattenscheid 09, Förderverein Zeche Hannover, Ihr Pfand hilft Obdachlosen e.V., Gewerkschaft der Polizei und Vorwärts Kornharpen. Die Veranstaltung unterstützten außerdem die ARAG Versicherungen Daniel Curia, Okan Isleyen (Geschäftsinhaber Freenet Gelsenkirchen & Freenet Witten), Getränke Podoll, der türkische Supermarkt Arena sowie der Globus-Markt im Hannibal-Center. Für das musikalische Programm sorgte das Duo Domenico Deangel und Andrea Tiamo, moderiert von Sebastian Hup.
Die AWO wird diese Spenden weiter für ihre Hilfe in den Erdbeben-Gebieten nutzen. Der Verband konnte bereits über eine halbe Million Schutzmasken zur Verhinderung der Ausbreitung von Seuchen ins Krisengebiet senden, außerdem elf Tonnen Lebensmittel an bedürftige Familien verteilen. Neben Lebensmitteln rücken im Rahmen einer nächsten Maßnahme weitere Hygienevorkehrungen in den Fokus, zum Beispiel durch den Kauf und Einsatz mobiler WC-Anlagen. Die konkrete Umsetzung erfolgt zwischen dem 18. und 25. März 2023.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Ein Jahr AWO Ambulant: Geschäftsführer geht auf Pflegetour
Nach getaner Arbeit: Teamaustausch zum Abschluss.
Ein Jahr Ambulante Pflege bei der AWO Ruhr-Mitte: Zum ersten Geburtstag des neuen Angebots ist Geschäftsführer Marc Schaaf einen Tag mit an Bord gewesen auf Pflegetour – und gewann Eindrücke, die er so schnell nicht vergessen wird.
Pünktlich um 7 Uhr war Treffpunkt in der Zentrale an der Hermann-Löns-Straße, zusammen mit Pflegedienstleiterin Sabrina Peters machte sich Marc Schaaf auf zu insgesamt zehn Patientinnen und Patienten in Bochum und Herne. Darüber hinaus ist die Ambulante Pflege der AWO Ruhr-Mitte noch unterwegs in Gelsenkirchen und Castrop-Rauxel. „Was mich direkt beeindruckt hat, war die perfekte Organisation des Tages. Fahrzeiten, Dauer des Aufenthalts bei den Patient*innen, Ausfälle unter den Mitarbeitenden: Das alles muss berücksichtigt werden und gut getaktet sein, damit die Versorgung optimal funktioniert. Und das tut sie“, schilderte Marc Schaaf.
Was mich direkt beeindruckt hat, war die perfekte Organisation des Tages.
Waschen, Anziehen, Medikamente geben: Neben dem pflegerischen Dreiklang der Frühschicht rückten immer wieder auch die Geschichten hinter den Menschen in den Fokus. „Oft waren wir nicht nur der erste, sondern bis zum nächsten Besuch des Pflegedienstes auch der einzige Kontakt des Tages“, erfuhr Marc Schaaf aus den Gesprächen mit den Senior*innen. „Die Menschen machen kein Geheimnis daraus, dass sie sich nicht selten einsam fühlen. Das nimmt einen natürlich mit.“ Umso bewundernswerter sei die Professionalität, die das Team der Ambulanten Pflege an den Tag lege. „Die Patient*innen versorgen und gleichzeitig immer auch die persönliche Biografie mit verarbeiten zu müssen: Das ist hart.“
Doch natürlich gibt es auch die schönen Seiten des Jobs. Menschen zu helfen, zu begleiten und ihnen die Chance zu geben, in ihrem häuslichen Umfeld weiter leben zu können, macht die Ambulante Pflege zu einem besonderen und auch beliebten Angebot. 13 Mitarbeitende der AWO Ruhr-Mitte – und bald auch Azubis der AWO Pflegeschule – versorgen mittlerweile 61 Personen, Tendenz steigend. So wurde dem „Praktikanten“ auch bewusst, wie dankbar die Patient*innen sind – und bekam von einer Seniorin zum Abschied Bonbons in die Hand gedrückt. „Für auf den Weg“, sagte sie lächelnd.
Eindrücke, die bleiben
Ein Weg, der zur Mittagszeit im Büro der Ambulanten Pflege wieder zu Ende ging. Im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen erfuhr Marc Schaaf abschließend, welche weiteren Eindrücke das Team Tag für Tag sammelt, dass sie sich bei der AWO grundsätzlich gut aufgehoben fühlen, wo der Schuh aber auch mal drücken kann. Nur gut, dass er jetzt weiß, wie Verbände und Pflaster angelegt werden.
Tag der offenen Tür: AWO Ambulant stellt sich vor
Wer die Ambulante Pflege der AWO Ruhr-Mitte selbst einmal kennenlernen möchte, ist am 25. März zum Tag der offenen Tür an der Hermann-Löns-Straße 65 in Herne ganz herzlich eingeladen. Zwischen 11 und 14 Uhr stellt sich das Team mit den dazugehörigen Angeboten vor. Außerdem gibt es Infos über die Tagespflege, Essen auf Rädern sowie ganz praktisch Blutdruck messen und Blutzuckerwerte bestimmen. Essen und Trinken runden den Tag der offenen Tür ab.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Erdbeben in der Türkei: AWO ruft zur Hilfe auf
Serdar Yüksel blickt besorgt auf die Situation
in der Krisen-Region.
Die wohl schlimmsten Erdbeben seit Jahrzehnten haben die Grenzregion zwischen Syrien und der Türkei schwer erschüttert. Über 50.000 Menschen kamen bis zum jetzigen Zeitpunkt ums Leben, viele sind vermisst. Auch in Bochum und Herne bangen zahlreiche Menschen um ihre Angehörigen.
„Die Berichte aus der Region haben uns tief getroffen. Tausende Gebäude sind eingestürzt, so viele Menschen unter ihnen begraben. Die Infrastruktur ist zusammengebrochen. Was jetzt zählt, sind schnelle Hilfen“, schildert Serdar Yüksel, Unterbezirksvorsitzender der AWO.
Dafür stellt die AWO ein Spendenkonto zur Verfügung:
Inhaber: AWO Bochum
IBAN: DE75 4305 0001 0001 2088 18
Stichwort: Erdbeben-Soforthilfe
Wir stehen mit Betroffenen in Kontakt, koordinieren schnelle Hilfen.
„Wir werden mit den Spenden Lebensmittel und Verbrauchsmittel des täglichen Bedarfs organisieren und über unsere Projektpartner, die uns bereits bei der Unterstützung der Menschen im Ukraine-Krieg geholfen haben, zentral ins Krisengebiet schicken. Außerdem stehen wir bereits mit Betroffenen in Kontakt, um humanitäre Hilfen zu koordinieren“, kündigt Serdar Yüksel an.
„Meldungen aus der Krisenregion werden fast stündlich aktualisiert. Das Ausmaß der Verwüstungen ist noch nicht absehbar, schon jetzt bewegt uns jedoch das, was wir bereits gesehen und gehört haben. Mein dringlicher Appell gilt daher, den Menschen in dieser furchtbaren Katastrophe beizustehen“, betont Serdar Yüksel.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Benefiz-Kick mit Promi-Faktor soll Erdbeben-Opfern helfen
Serdar Yüksel und Christopher Becker koordinieren
die Hilfen der AWO Bochum nach dem Erdbeben.
Die AWO präsentiert Benefiz-Fußball für die Erdbeben-Opfer in der Türkei und in Syrien: Eine Stadtauswahl und eine türkische Elf spielen am 1. März gegen Teams von TuS Hordel für den guten Zweck.
Über 40.000 Menschen sind gestorben, tausende Häuser sind eingestürzt, zahlreiche Opfer liegen noch unter den Trümmern: Das Erdbeben in der Türkei und in Syrien ist eine Tragödie.
Die AWO hat unmittelbar nach den ersten Meldungen aus dem Krisengebiet eine Spendensammlung ins Leben gerufen, inzwischen konnten mit den Geldern bereits konkrete Projekte umgesetzt werden. So sind auf Initiative der AWO 500 Pakete mit über zehn Tonnen Lebensmitteln an betroffene Familien verteilt worden.
Doch es gilt, noch mehr zu tun, zu groß ist das Leid der Bevölkerung in der Erdbeben-Region.
Daher rollt nun am 1. März das runde Leder für den guten Zweck. Im Stadion an der Hordeler Heide spielt zunächst um 18 Uhr eine Stadtauswahl gegen die Alte Herren von TuS Hordel, ab 19 Uhr tritt eine Auswahl türkischer Spieler aus ganz Deutschland gegen die Westfalenliga-Mannschaft Hordels an. Das erste Spiel geht über eine Halbzeit und wird von Bürgermeisterin Gaby Schäfer angestoßen, das zweite über die volle Distanz.
Die Stadtauswahl wurde dabei von SPD-Ratsmitglied Jörg Laftsidis zusammengestellt. Mit dabei sein werden bekannte Namen aus der Bochumer und Wattenscheider Fußball-Historie sowie Lokalpolitiker und engagierte Bürger*innen aus der Stadtgesellschaft.
Ich hoffe, wir können mit dem Spiel Gutes tun, es wird ganz viel benötigt.
Die türkische Elf wurde von Ahmet Inal ausgewählt, der Ex-Profi aus der Türkei hat ebenfalls seine Kontakte spielen lassen. „Mich hat die Anfrage für das Benefiz-Spiel tief bewegt, genauso wie das große Engagement und die Hilfsbereitschaft so vieler Menschen in Deutschland. Ich hoffe, wir können mit dem Spiel noch mehr Gutes tun, es wird einfach nur ganz viel benötigt“, betont er.
Jörg Versen, Manager der TuS Hordel, hat seitens des Vereins den Benefiz-Kick möglich gemacht: „Es ist selbstverständlich, dass wir helfen, das gehört zum Leitbild unseres Vereins. Wir freuen uns auf viele Zuschauerinnen und Zuschauer, die zwar keinen Eintritt bezahlen müssen, dafür aber dann umso fleißiger die aufgestellten Spenden-Boxen für die Erbeben-Hilfe der AWO nutzen.“
Das Rahmenprogramm beginnt am 1. März bereits um 17 Uhr mit einem Jugendspiel der TuS und einem Familienprogramm, die Falken kommen mit dem Spielmobil. Rund um die Partien gibt es Informationen der AWO über den aktuellen Stand der Hilfsmaßnahmen. Die klassische Sportplatz-Verpflegung wird diesmal durch türkische Spezialitäten ergänzt. Tipp: Besucherinnen und Besucher benutzen den Parkplatz an der Berthastraße oder kommen mit dem ÖPNV.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Zwischen Kult und Kapital: Diskussion rund um den modernen Fußball
Christoph Biermann.
Die wahre Geschichte des modernen Fußballs - eine Lesung von Christoph Biermann in der Ritterburg, präsentiert von AWO Kreisverband und Fanprojekt Bochum. Zu Gast: Ilja Kaenzig, Sprecher der Geschäftsführung beim VfL Bochum 1848.
Die Bundesliga feiert im August 2023 ihr 60-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veranstaltet das Fanprojekt Bochum über das Jahr verteilt fußballkulturelle Veranstaltungen rund um die Castroper Straße, einer der letzten Kultstätten der Bundesliga. Den Auftakt bildet eine Lesung des VfL-Fans und Fußballjournalisten Christoph Biermann, der am 17. Februar 2023 (Beginn 20 Uhr in der Gaststätte Ritterburg, Castroper Straße 177) die wahre Geschichte des modernen Fußballs von 1992 bis heute beleuchtet. Als Gesprächspartner und Experte wird Christoph Biermann VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig zur Seite stehen, der u. a. auf die Herausforderungen und Chancen für den VfL Bochum 1848 im modernen Fußball eingehen wird.
Wendepunkt 1990er Jahre
Für Christoph Biermann stellen die frühen 90er Jahre einen Wendepunkt im deutschen wie europäischen Profifußball dar. Vorbei ist es mit dem Wetteifern der Landesmeister im Europapokal - die Champions League geht in ihre erste Saison. Die 22 Klubs der englischen First Division gründen die Premier League. Bei den von der FIFA organisierten Fußballspielen sind Stehplätze verboten. Uwe Wegmann bringt am 18. Oktober 1993 den Tabellenführer der 2. Bundesliga, den VfL Bochum 1848, gegen den FC St. Pauli in Führung: viele VfL-Fans bejubeln das Tor jedoch nicht im Millerntor, sondern vor dem Fernseher - das Deutsche Sportfernsehen überträgt das Montagsspiel live.
Ein Kind in Oberhausen kann inzwischen genauso leicht Fan des FC Barcelona, von Real Madrid oder Liverpool werden. Im vormodernen Fußball waren das noch Klubs aus fernen Ländern, heute ist es im Grunde sogar leichter, ihnen zu folgen als Rot-Weiß Oberhausen, weil sie häufiger im Fernsehen zu sehen und präsenter in den sozialen Medien sind. Christoph Biermann
Neben Fernsehgeldern inflationieren in den folgenden Jahren Oligarchen, Investoren und Staatsfonds den Markt, die Football Industry. Christoph Biermann erläutert neben den Gefahren des Sportswashing durch Staaten die Bedeutung des deutschen Sonderwegs, dem „Geniestreich“ der „50+1-Regel“. Es wird der Frage nachgegangen, warum die großen europäischen Klubs dazu verdammt sind, Erfolge zu monopolisieren und inwiefern es ihnen die strukturellen Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte vereinfachen, ihren Ansprüchen gerecht zu werden.
Erfolgsgeschichte oder Geschichte eines Niedergangs?
Wie viele Übertretungen roter Linien, konzerngelenkte Bundesligisten, die kein Interesse an der Ermöglichung demokratischer Partizipation durch ihre Mitglieder haben, strukturkorrupte Fußballverbände, die Großveranstaltungen in Staaten, in denen die Menschenrechte nicht geachtet werden, vorhersagbare Serienmeisterschaften und spekulierende Investor*innen braucht es, bis sich Fans und Begeisterte vom Fußball abwenden? Oder hat eine schleichende Erosion bereits eingesetzt? Was verbindet im modernen Fußball? Handelt es sich um eine Erfolgsgeschichte oder die Geschichte eines Niedergangs?
Im Anschluss an die Lesung besteht die Möglichkeit, sich mit Christoph Biermann, Ilja Kaenzig sowie den Organisatoren der Veranstaltung über die aufgeworfenen und viele weitere Fragen ausgiebig austauschen zu können.
Alle Interessierten sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.
Redaktion
Florian Kovatsch/ Fanprojekt Bochum
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Grubenlampe leuchtet für den guten Zweck
Glück auf! Vor Weihnachten versteigerte die AWO zusammen mit der SPD-Ratsfraktion Bochum eine Grubenlampe samt Bergmanns-Outfit für den guten Zweck. Die Sanitär und Heizung Vieth GmbH ließ sich nicht lange bitten – und spendete insgesamt 2000 Euro für soziale Projekte.
Jetzt fand die Übergabe statt, die Grubenlampe hat schon einen besonderen Platz im Eingangsbereich der Geschäftsstelle bekommen.
„Wir sind als Unternehmen in Bochum verwurzelt, wissen viele Kundinnen und Kunden, auch aus dem öffentlichen und sozialen Bereich an unserer Seite. Wir nutzen daher gerne solche Möglichkeiten, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, Gutes zu tun“, betonten die Geschäftsführer Markus Böttcher und Michael Markert bei der Übergabe mit Jörg Laftsidis und Burkart Jentsch von der SPD-Ratsfraktion.
Mit Bochumer Motiven
1500 Euro bot das Unternehmen zunächst für die Grubenlampe und das Zechenzeug aus Originalbeständen der RAG. Die Künstlerin Gudrun Kliemchen aus dem Atelier „airfräulich“ in Weitmar verzierte die Grubenlampe zuvor mit Airbrush-Motiven der Stadt, von der Ruhr-Universität über den Kuhhirten vor der Propsteikirche bis zum Bergbaumuseum zeigt das Andenken aus der Bergbau-Geschichte verschiedene Sehenswürdigkeiten Bochums. Zur Hälfte geht der Erlös an den Verein Kindergarten Wattenscheid in Gambia und an „Bochum hilft“ zur Unterstützung wohnungsloser Menschen vor Ort.
Die AWO organisierte die Versteigerung. Jeweils 250 Euro spenden Markus Böttcher und Michael Markert daher noch einmal persönlich an die AWO Ruhr-Mitte für besondere Projekte in den Kinder- und Jugendfreizeithäusern des Sozialverbands.
Mit unserer Spende möchten wir dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen jetzt wieder verstärkt Teilhabe zu ermöglichen.
„Kinder und Jugendliche gehörten zu den großen Verlierer*innen der Corona-Pandemie. Viele leiden nachhaltig unter massiven Problemen sowohl im psychosozialen als auch im körperlichen Kontext. Fehlende Bewegung und mangelnde pädagogische Begleitung während der Pandemie waren leider nicht selten. Besonders in den Stadtteilen, in denen wir aktiv sind, sind Kinder und Jugendliche stark von den Auswirkungen betroffen“, schildert AWO-Bereichsleiterin Nina Baumann.
„Mit unserer Spende möchten wir dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen jetzt wieder verstärkt Teilhabe zu ermöglichen, über gezielte Sozialarbeit Versäumtes nachzuholen“, erklären Michael Markert und Markus Böttcher.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Weihnachten: Das Fest des Miteinanders
Die AWO Ruhr-Mitte wünscht allen Mitgliedern, Mitarbeitenden sowie den Freundinnen und Freunden des Verbands besinnliche Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr!
Weihnachten, das ist das Fest des Friedens und der Nächstenliebe. Wie wichtig und nicht selbstverständlich der Frieden doch ist, machte das Jahr 2022 besonders deutlich. Noch immer sieht sich die Ukraine den Angriffen Russlands ausgesetzt, unsere volle Solidarität gilt den Menschen im Kriegsgebiet, die Weihnachten unter den schrecklichen Bedingungen des Krieges erleben müssen.
Auch uns als AWO stellte der Krieg vor neue Herausforderungen. Glaubten wir die schlimmste Phase der Pandemie und damit eine Krise überwunden zu haben, folgte die nächste. Doch ging auch diesmal wieder eine Welle der Solidarität durch den Verband, kurz nach dem Beginn des Krieges übernahmen wir als erster Sozialverband in Bochum die Betreuung von geflüchteten Menschen aus der Ukraine. Haupt- und Ehrenamt arbeiteten hier Hand in Hand, um ein Ankommen mit einem Gefühl der Geborgenheit und des Willkommenseins zu verbinden. Viele Menschen von innerhalb und außerhalb der AWO spendeten für unsere Lebensmitteltransporte ins Kriegsgebiet, zwei 40-Tonner konnten wir auf den Weg bringen und damit auch Hilfe vor Ort leisten.
Inzwischen besuchen die Familien aus der Ukraine unsere Beratungen und Sprachkurse, zuvor stellten wir Ihnen bereits einen Sprachführer und Integrationsbegleiter zur Verfügung, um in Deutschland Fuß zu fassen.
Nicht nur bei der Aufnahme ukrainischer Geflüchteter haben wir 2022 wieder unser AWO-Herz in die Hand genommen, um zu helfen, wo Hilfe besonders nötig ist. Allein in den drei Gemeinschaftsunterkünften gaben wir 2022 über 300 wohnungslosen Menschen ein Dach über dem Kopf.
Wir betreuen in Bochum und Herne Kinder in 33 Kitas und 21 Offenen Ganztagseinrichtungen. Wir leisten Sozialarbeit in vier Jugendfreizeithäusern. Hinzu kommen zwei Einrichtungen in der besonderen Wohnform für Menschen mit Behinderung, zwei Tagespflegen für Senior*innen, die neu gegründete Ambulante Pflege, besondere Projekte wie das Seniorenbüro Südwest, die Quartiersarbeit und das Fanprojekt und noch so vieles mehr. 1600 Mitglieder und 350 Ehrenamtliche unterstützen das Hauptamt, wo sie gebraucht werden, und engagieren sich darüber hinaus in der Verbandsarbeit und im gesellschaftlichen Miteinander für die Städte Bochum und Herne.
Wir engagieren uns für junge und ältere Menschen. Wir respektieren Kultur und Herkunft, setzen auf Teilhabe und Solidarität. Wir geben denen eine Stimme, deren Anliegen sonst nicht gehört werden. Kurzum: wir befinden uns im harmonischen Einklang mit der Weihnachtsbotschaft. Jesus ist nicht bei den Reichen und Mächtigen zur Welt gekommen. Er stellt sich als „Kind im Stalle“ auf die Seiten der Armen und derer, die Aufnahme bedürfen. Genau da befinden auch wir uns als AWO seit unserer Gründung im Jahr 1919 – und auch in Zukunft.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Kunst-Grubenlampe wird für den guten Zweck versteigert
Burkart Jentsch (li.), Gudrun Kliemchen
und Jörg Laftsidis.
„Hier, wo das Herz noch zählt“ heißt es in Bochum nicht nur bei Herbert Grönemeyer. Herz zeigt auch die AWO – und versteigert eine Grubenlampe, die nicht nur aus Originalbeständen kommt, sondern auch künstlerisch bearbeitet wurde. Ein absolutes Unikat.
Zur Verfügung gestellt hat die Bergbau-Rarität für den guten Zweck die SPD-Ratsfraktion Bochum. „Über Sozialpolitik zu sprechen, ist eine Sache. Konkrete soziale Projekte zu unterstützen, noch einmal eine ganz andere“, betont Ratsmitglied Jörg Laftsidis, einst Reviersteiger und Initiator der Idee. Er weiß nicht nur aus dem Sozialausschuss: „Wir arbeiten viel mit Vereinen und Verbänden zusammen, die Gutes tun. Wir wollen sie nicht nur politisch, sondern auch auf diesem Weg unterstützen.“
Schon vergangenes Jahr arbeitete die Fraktion dazu mit der AWO zusammen, zur Versteigerung kam ein Trikot des VfL Bochum mit den Unterschriften der Spieler. Der Clou: Auch hier war das Trikot in einem Rahmen eingefasst, der von Airbrush-Künstlerin Gudrun Kliemchen gestaltet wurde. 3000 Euro flossen am Ende in die Wohnungslosenhilfe vor Ort.
Ein Hingucker: Die Grubenlampe mit Bochum-Motiven
Die Künstlerin aus dem Atelier „airfräulich“ in Weitmar ist auch diesmal wieder an Bord. Sie hat die Grubenlampe mit Motiven der Stadt Bochum versehen, von der Ruhr-Universität über den Kuhhirten vor der Propsteikirche bis zum Bergbaumuseum. Gudrun Kliemchen stellte erst die Motive zusammen, hat sie dann geairbrusht und mit einer Lackschicht überziehen lassen. Viele Stunden Arbeit für eine einmalige Ausführung, die es so kein zweites Mal geben wird. „Als Bochumerin die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt künstlerisch verarbeiten zu können, war eine sehr aufwändige, aber auch schöne Arbeit.“
Doch was wäre der Bergmann nur mit einer Lampe ohne Grubenzeug? Daher gibt es für den Höchstbietenden noch einen Kauenkorb mit Grubenzeug aus Originalbeständen der RAG AG dazu. Das Komplett-Paket ist ab sofort auch im Schaufenster des AWO-Stadtbüros an der Bleichstraße 8 zu sehen.
Wir wollen nicht nur finanziell, sondern auch ideell fördern.
Diesmal sollen die Erlöse aus der Versteigerung zwei Projekten zugutekommen: Dem „Kindergarten Wattenscheid“ in Gambia und dem Verein „Bochum hilft“. Die einen unterstützen Kinder in Afrika, die anderen wohnungslose Menschen in unserer Stadt. „Unser Ziel ist, nicht nur zu helfen, sondern auch gezielt die Aufmerksamkeit auf diese unterschiedlichen Themen zu lenken. Beide Organisationen leisten Hilfe zur Selbsthilfe an ganz zentralen Stellen, wo es besonders nötig ist. Diese Unterstützung wollen wir nicht nur finanziell, sondern auch ideell fördern“, schildert SPD-Fraktionsvorsitzender Burkart Jentsch. Getreu dem Motto „Hier, wo das Herz noch zählt“, das auch auf der Grubenlampe verewigt ist.
Die Organisation der Versteigerung übernimmt wie im vergangenen Jahr die AWO. Gebote können ausschließlich per E-Mail abgegeben werden über c.becker@awo-ruhr-mitte.de und zwar bis zum 30. Dezember um 15 Uhr. Die Angabe von Name, Adresse und Rufnummer ist zur Gebotsabgabe ebenso notwendig. Die AWO informiert über die Sozialen Medien regelmäßig über den Zwischenstand.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Zum WM-Start: Trauerfeier für die toten Arbeiter
AWO und Aktionskünstler Volker-Johannes Trieb verwandeln Herner Stadion in eine Gedenkstätte.
„Die FIFA hat den Fußball verraten und verkauft. Profit darf nicht über Menschlichkeit siegen. Menschenleben dürfen nicht für Gewinn geopfert werden. Der Zweck heiligt nicht alle Mittel und schon gar keine Allianzen mit Diktaturen.“ Michael Scheffler, Vorsitzender des AWO Bezirks Westliches Westfalen, fand deutliche Worte für die Fußball-WM, die am 20. November in Katar begonnen hat.
Zur gleichen Zeit fand im legendären Stadion am Schloss Strünkede in Herne eine Trauerfeier für die vielen tausend Arbeiter statt, die auf den WM-Baustellen gestorben sind. Den Toten wurde mit 6.500 sandgefüllten Fußbällen auf dem Spielfeld und 20.000 Grabkerzen auf den Rängen ein einzigartiges Denkmal gesetzt. Mehrere hundert freiwillige Helfer*innen waren nach Herne gekommen, um es zu errichten und der Menschen zu gedenken. Das Eröffnungsspiel in Doha zu verfolgen, kam für sie nicht in Frage: „Die Spiele, die heute beginnen, sind mit Leid und Tod erkauft. Es ist die blutigste WM, die es je gab“, sagte Volker-Johannes Trieb, Aktionskünstler aus Osnabrück und Initiator der Aktion. Katar sei ein Ort der Schande, so Trieb. Die Menschenfeindlichkeit, die dort herrsche, sei für ihn unerträglich. „Heute ist kein Tag zum Jubeln, sondern zum Trauern“, so der Künstler.
Eine WM auf den Gräbern von Wanderarbeitern - das geht gar nicht.
Mit kurzen Reden, einer Schweigeminute und einer symbolischen Kerze, die auf dem Spielfeld entzündet wurde, fand in Herne das Gegenteil des Eröffnungsspiels statt. Der Cellist Willem Schulz würdigte die Toten mit einem eigens komponierten Requiem. Die Band „Westwärts“ sang zum Abschluss das, was alle vor Ort dachten: We say NO! Moderiert wurde das Gedenken von Kommentator Manfred Breuckmann, der ebenfalls gegen das Turnier in der Wüste Position bezieht: „Eine WM auf den Gräbern von Wanderarbeitern - das geht gar nicht. Ich schäme mich für alle, die ‚nur über Fußball‘ reden wollen. Sie begreifen nicht, dass sie mithelfen, Menschenverachtung salonfähig zu machen.“
Thorsten Kuligga, Vorsitzender der AWO Herne, betonte: „Wir haben in Herne Bilder entstehen lassen, die nun um die Welt gehen, die das Schicksal der Bauarbeiter jetzt nicht in Vergessenheit geraten lassen, während in Katar die schillernden Arenen in Szene gesetzt werden. Das war unser Anliegen, das ist uns gelungen dank aller Helferinnen und Helfer, die schon früh morgens anfingen, die Kerzen aufzustellen und noch am Nachmittag dabei waren, um die Gedenkfeier mit einer Kette der Menschlichkeit zu umrahmen. Ein starkes Zeichen der Solidarität, das nachhaltig beeindruckt."
Ein starkes Zeichen der Solidarität, das nachhaltig beeindruckt.
Bereits am 1. April dieses Jahres hatten Volker-Johannes Trieb und Vertreter*innen der AWO vor der FIFA-Zentrale in Zürich gegen die Vergabe der WM an Katar protestiert. „Die Menschen, die auf den Baustellen gestorben sind, stammen aus den ärmsten Ländern der Welt. Sie haben dort geschuftet, um ihre Familien zu ernähren. Wir sind heute in Gedanken bei ihren Angehörigen“, sagte Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International. Der Verband engagiert sich in den Ländern der Hinterbliebenen für die Rechte von Arbeitsmigranten, die in Ländern wie Katar ausgebeutet werden. „Weltweit leben rund 50 Millionen Menschen in Sklaverei – das ist eine ungeheure und beschämende Zahl. Ein Großereignis wie die WM in Katar wären eine Chance gewesen, die Arbeitsverhältnisse zu verbessern und etwa das Kafala-System mit aller Entschlossenheit zu unterbinden. Die FIFA hat das aber durch ihre jahrelange Ignoranz versäumt.“
Hier gibt es Bilder und Videos der Aktion.
Redaktion
Katrin Mormann/ AWO Westliches Westfalen
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
Anforderungen an Suchtberatungen steigen
Serdar Yüksel mit Sara Falkenstein.
Die Zahl der Drogentoten in NRW hat einen Rekordwert erreicht: 693 Menschen sind 2021 in Zusammenhang mit Rauschgift-Konsum gestorben. Das Gesundheitsministerium des Landes sieht den Grund dafür in der Corona-Pandemie – in dieser Zeit seien Hilfsangebote nur eingeschränkt verfügbar gewesen.
Den 10. November hat die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen zum Aktionstag Suchtberatung erklärt. In diesem Jahr steht der Aktionstag Suchtberatung unter folgendem Schwerpunkt: „Wir sind für alle da … noch.“ Gründe genug, auf die Bedeutung professioneller Hilfen hinzuweisen.
Bei der AWO Ruhr-Mitte arbeitet Sara Falkenstein seit Juni 2021 in der Suchtberatung. Im Interview mit Serdar Yüksel, Vorsitzender der AWO Ruhr-Mitte und Mitglied im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales im nordrhein-westfälischen Landtag, spricht sie über die Herausforderungen, vor denen die Suchtberatungsstellen stehen und wie Politik auf die aktuellen Entwicklungen eigentlich reagieren müsste.
Sara Falkenstein: Sie haben mit einer Kleinen Anfrage im Landtag die Vielzahl der Drogentoten erst thematisiert. Welche politischen Rückschlüsse ziehen Sie daraus?
Serdar Yüksel: Warum wir so viele Drogentote haben, ist klar: Beratungsleistungen konnten in der Pandemie nicht so intensiv erbracht werden. Dadurch sind viele gestorben, Institutionen der Suchthilfe haben ein gewisses Klientel gar nicht mehr erreicht. Es gab außerdem eine Zunahme illegaler Drogen, der Markt ist regelrecht überschwemmt worden. Fakt ist: Seit gut 30 Jahren ist die Suchtberatung chronisch unterfinanziert bei steigenden Lohn- und Sachkosten. Da werden die Träger im Stich gelassen und ich sehe bei den Haushaltsberatungen im Land nicht, dass den Kommunen jetzt mehr Geld zur Verfügung gestellt wird.
Die Träger werden im Stich gelassen.
Sara Falkenstein: Warum nicht?
Serdar Yüksel: Die SPD hat immer wieder Anträge gestellt, die von der Landesregierung vom Tisch gefegt wurden. Schwarz-Gelb und jetzt Schwarz-Grün setzen da leider andere Prioritäten und erkennen gar nicht die Notwendigkeit.
Sara Falkenstein: Sie sagen, der Markt wird gerade mit Drogen überschwemmt. Was meinen Sie damit konkret?
Serdar Yüksel: Illegale Drogen, die nach Deutschland kommen, nehmen zu. Bei vielen Abhängigen gibt es nicht nur die eine Sucht. Eine bestimmte Klientel nimmt inzwischen bis zu fünf Suchtmittel gleichzeitig. Übers Internet ist die Beschaffung relativ einfach.
Es gibt gute Gründe, dem Schwarzmarkt den Boden zu entziehen.
Sara Falkenstein: Macht die Legalisierung von Cannabis denn dann Sinn?
Serdar Yüksel: Cannabis wird so oder so konsumiert. Illegalität stärkt nur den Schwarzmarkt und fördert eine Kriminalisierung, wobei Gerichtsverfahren meistens eingestellt werden. Ich habe mir das Modell in Kanada angesehen: Es gibt gute Gründe, dem Schwarzmarkt den Boden zu entziehen und Cannabis – wenngleich staatlich kontrolliert, auch in Bezug zum THC-Gehalt – legal abzugeben. Gleichzeitig braucht es eine flankierende Aufklärungskampagne über die Gefahren. Man muss dringend informieren, welche Nebenwirkungen es gibt. Ich denke etwa an psychotische Erkrankungen.
Sara Falkenstein. Das schreit förmlich nach mehr Prävention. Ich fürchte nur, dass der Schwarzmarkt mit der Begrenzung des THC-Gehalts erst recht explodieren wird.
Serdar Yüksel: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sagt, der THC-Gehalt soll 15 Prozent nicht übersteigen. Auf dem Schwarzmarkt gibt es oft doppelt so viel. Ich glaube aber, dass diejenigen, die konsumieren wollen , sich nicht zudrönen, sondern tatsächlich eine legale Droge nutzen möchten, die durchaus einen Effekt erzielt. Aber: Die zusätzlichen Steuereinnahmen müssen dann tatsächlich für Präventionsprojekte genutzt werden, damit klar wird, welche Gefahren mit dem Konsum einhergehen. Das ist ja kein Keks, bei dem man auf Kalorien achten muss. In zwei Jahren ist dann dringend ein Zwischenfazit zu ziehen, wie sich Krankheitsgeschichten entwickelt haben.
Die Beratungsstellen müssen viel mehr in den Schulen präsent sein.
Sara Falkenstein: Mit der Prävention müsste man aber jetzt beginnen, nicht erst 2024.
Serdar Yüksel: Richtig. Das Thema Drogengefahren gehört viel mehr in den Schulunterricht verankert. Eine Litfaßsäule mit Postern kann da keine Antwort sein. Die Beratungsstellen müssen viel mehr in den Schulen präsent sein – mit Hingeh- und keinen Komm-Strukturen. Niemand darf sich generell in seiner Beratungsstelle verschanzen, das funktioniert nicht.
Sara Falkenstein: Viele Klienten haben in der Pandemie mehr Probleme bekommen, auch finanzieller Art durch Jobverlust und Kurzarbeit, das hat sich zugespitzt und das Konsumverhalten verschärft. Das wird langfristig noch weitere Folgen haben.
Serdar Yüksel: Psychische Erkrankungen nehmen zu, Depressionen nehmen zu, es gibt Zukunftsängste und es gibt deutliche Korrelationen zwischen psychischen und Suchterkrankungen. Da klappt oftmals das ambulante Setting nicht, es gibt Drehtüreffekte. Menschen kommen in die Psychiatrie, werden entgiftet, finden dann aber keine ambulanten Strukturen, um sich im eigenen Lebensumfeld zu stabilisieren. Hier muss mehr gemacht werden.
Sara Falkenstein: Und dazu braucht es einfach auskömmlichere Finanzierungen. Wir sind wieder beim Thema.
Serdar Yüksel: Die Konsumierenden werden weiblicher und jünger. Da wandelt sich ein Bild gerade, ich sehe auch hier weitere Herausforderungen auf die Beratungsstellen zukommen. Und da dürfen wir nicht locker lassen, weitere finanzielle Mittel möglich zu machen, um diesen Ansprüchen gerecht zu werden.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
AWO setzt in Herne ein Zeichen gegen die Fußball-WM
Mehr als 15.000 Gastarbeiter*innen sind geschätzt beim Bau der WM-Stadien in Katar ums Leben gekommen. Am 20. November werden ihnen der Künstler Volker-Johannes Trieb und die AWO in Herne gedenken.
Dazu platzieren möglichst viele Helfer*innen im Stadion am Schloß Strünkede 6500 sandgefüllte Fußbälle – sinnbildlich für die verstorbenen Arbeiter - auf der Rasenfläche. Die Tribünen sollen mit ca. 20.000 Grabkerzen beleuchtet werden. 6500 ist dabei die Zahl an Toten, die von der britischen Tageszeitung „Guardian“ veröffentlicht wurde, die 20.000 Kerzen stehen symbolisch fürs Publikum, aber auch noch einmal für die trauernden Angehörigen. Höhepunkt ist eine Trauerzeremonie - mit Bildern, die das Zeug haben, um die Welt zu gehen.
Der absolute Kontrapunkt zu den auf Leichen gebauten, schillernden Palast-Arenen.
Eine ähnliche Aktion vor der Fifa-Zentrale in Zürich sorgte bereits am Tag der Gruppenauslosung für großes Aufsehen, jetzt kommt – am Totensonntag – die Kunst auf den Platz, ins Stadion. „Wir freuen uns sehr darüber, dass uns die Stadt Herne und Westfalia Herne dabei jede Unterstützung zukommen lassen. Denn das Stadion am Schloß Strünkede ist mit seiner Historie und seinem ursprünglichen, bodenständigen Charme der absolute Kontrapunkt zu den auf Leichen gebauten, schillernden Palast-Arenen in Katar“, schildert Serdar Yüksel, Vorsitzender der AWO Ruhr-Mitte.
Menschlichkeit ist genau das, was dieser Fußball-Weltmeisterschaft fehlt.
Für den Auf- und Abbau suchen Volker-Johannes Trieb und die AWO noch Unterstützer*innen. Wer mithelfen möchte, ein deutliches Zeichen gegen das Vergessen in Katar zu setzen, kann sich für zwei Schichten anmelden: Der Aufbau erfolgt ab 10 Uhr, der Abbau nach der Trauerfeier, die für etwa 16.30 Uhr geplant ist. „Um für diesen Moment eine Menschenkette bilden zu können, würden wir uns freuen, wenn möglichst alle Helferinnen und Helfer aus beiden Schichten ab 16 Uhr vor Ort sind. So können wir dem Gedenken noch einmal einen menschlichen Rahmen geben. Denn Menschlichkeit ist genau das, was dieser Fußball-Weltmeisterschaft fehlt“, betont Serdar Yüksel. Durch die Trauerfeier führt WDR-Reporterlegende Manfred Breuckmann.
Alle Materialien für die Aktion werden vor Ort sein, auch eine Verpflegung für die Mithelfenden ist eingeplant. Zur besseren Koordination sind Anmeldungen für eine Schicht notwendig über c.becker@awo-ruhr-mitte.de per E-Mail.
Hier geht's zum WDR-Bericht über die Aktion in Zürich.
Hier ist der Flyer mit allen Infos zur Aktion in Herne.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
E-Mail: c.becker@awo-ruhr-mitte.de
AWO - aktuell (Ausgabe 2/2022)
Unsere Themen:
- Sprach-Kitas stehen auf der Kippe
AWO fordert Erhalt des Erfolgsmodells
Weitere Themen
- AWO-Bundespräsidum zu Gast in der Gemeinschaftsunterkunft
- Projekt für Zuwanderer*innen aus Südosteuropa angelaufen
- Mittel für Migrationsberatungen sollen gekürzt werden
- Zur Fußball-WM: AWO setzt Zeichen für Menschenrechte
AWO Westliches Westfalen:
- Aktion am Antikriegstag
Aktiver AWO-Mitgliederverband:
- Ticket-Paten machten mobil
- Wohnstätte heißt jetzt Christel-Mannke-Haus
AWO macht Quartier jetzt essbar
Gesundheit. Begegnung. Nachhaltigkeit. Ein Dreiklang, der bei der AWO in Wanne-Süd groß geschrieben wird.
Dazu passt auch die Aktion, die der Verband jetzt mit weiteren Projektpartnern vor Ort initiierte: Unter dem Motto „Essbares Quartier Wanne-Süd“ stand ein Tag ganz im Zeichen von Bäumen und Büschen zum Naschen.
So griff das ganze Quartier zu Schüppe und Harke: Nachbarinnen und Nachbarn, Mitglieder der Kirchengemeinde, Schüler*innen und Kita-Kinder zeigten ihren grünen Daumen und bepflanzten die Wiesenfläche zwischen Turnhalle und Mensa der Freiherr vom Stein-Grundschule, die Wiese vor der Kita der St. Elisabeth Gruppe und den Bereich vor dem Pfarrhaus an der Hauptstraße. Auch die Bewohner*innen der Seniorenwohnanlage „Im Sportpark“ packten mit an, zusammen mit dem Gartendienst der AWO Ruhr-Mitte und Ehrenamtlichen aus dem Kreisverband hoben sie Löcher aus, setzten Apfelbäume, Johannisbeeren, Aronia, Minze, Rosmarin und Salbei.
Die Seniorinnen und Senioren bringen so viel Wissen rund um Pflanzen, Gemüse und die jeweilige Zubereitung mit, das sie weitergeben können. Das wollen wir nutzen.
„Die Gewürze können direkt genutzt werden, sind ab sofort für alle da. Im nächsten Jahr kommen dann zeitversetzt die Früchte hinzu. Unser Ziel ist, Jung und Alt in der Begegnungsstätte zusammenzubringen, um die Ernte gemeinsam zu verarbeiten. Gerade die Seniorinnen und Senioren bringen so viel Wissen rund um Pflanzen, Gemüse und die jeweilige Zubereitung mit, das sie weitergeben können. Das wollen wir nutzen“, schildert AWO-Mitarbeiterin Ulrike Gaus, die für die „gesunde“ Begegnungsstätte Im Sportpark zuständig ist.
Die Pflanzaktion im öffentlichen Raum bildete den Höhepunkt des gemeinsam entwickelten Bildungs- und Pflanzprojektes „Essbares Quartier Wanne-Süd“. Damit wollten die beteiligten Bildungseinrichtungen auch in Krisenzeiten ein Zeichen gegen die Ohnmacht setzen. Ihr Motto: „Wir können auch mit kleinen Beiträgen und vereinten Kräften unsere Welt lebenswerter machen.“
AWO lud ein zum Austausch
In der Kita und der Schule wurde und wird parallel zum Thema „Insekten“ geforscht. Biologin Ingrid Reckmeier vom BUND bringt den Kindern dabei die Wildbienen anschaulich näher und vermittelt die wichtige Bedeutung für die Bestäubung der Pflanzen.
Koordiniert wurde dieses Bildungs- und Pflanz-Projekt von Barbara Kruse, Bildungsbüro der Stadt Herne im Rahmen des Bundesmodellprojektes „Bildung-Nachhaltigkeit-Kommune“. Die fachliche Beratung erfolgte durch Dr. Richard Wagner. Finanziert wird es mit Mitteln des Stadtteilverfügungsfonds Soziale Stadt Wanne-Süd. Die AWO lud als formale Antragstellerin des Bündnisses zum Austausch und Begleitung der Pflanzaktion in ihre Begegnungsstätte Im Sportpark ein.
Redaktion
Christopher Becker/ AWO Ruhr-Mitte
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Keine Mittelkürzung für die Migrationsberatungen
MBE-Aktionstag am 14. September rückt Beratungsstellen in den Fokus: Freie Wohlfahrtspflege kritisiert geplante Streichung im Bundeshaushalt.
Deutschland wächst – durch Zuwanderung. Allein 2021 kamen rund 300.000 Menschen mehr nach Deutschland, als ausgewandert sind. Die Hintergründe sind unterschiedlich: Viele Menschen suchen hier neue Lebensperspektiven oder Zuflucht vor Verfolgung und Krieg. Was sie alle jedoch eint, sind zahlreiche Fragen über das Ankommen in Deutschland. Antworten darauf geben die Migrationsberatungen der Träger der Freien Wohlfahrtspflege.
Mit der Zuwanderung steigen die gesellschaftlichen Herausforderungen zur Integration und Teilhabe.
Doch genau die stehen jetzt auf der Kippe. Denn die Bundesregierung plant, die Mittel für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) um rund 20 Millionen Euro zu kürzen. Davon betroffen wäre auch die Refinanzierung von Beratungsstellen in Bochum. „Mit der Zuwanderung steigen die gesellschaftlichen Herausforderungen zur Integration und Teilhabe. Die Mittel jetzt zurückzufahren, widerspricht nicht nur dem Koalitionsvertrag. Diese Entscheidung bedeutet auch, Integrationsprozesse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu gefährden“, betont Marc Schaaf, Sprecher der Freien Wohlfahrtspflege in Bochum.
Allein im ersten Halbjahr 2022 haben rund 227.000 Zugewanderte bundesweit die Migrationsberatungen aufgesucht, das sind fünf Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2021. Eine große Zahl der Ratsuchenden wird langfristig in Deutschland bleiben, ist auf der Suche nach Perspektiven.
In den Beratungsgesprächen geht es daher etwa um aufenthalts- und asylrechtliche Fragestellungen, aber auch um Themen wie Wohnungssuche, Spracherwerb, Arbeitsaufnahme oder Einbürgerungen. Die Migrationsberater*innen sind außerdem vermittelnd tätig, kennen Ansprechpartner*innen in Ämtern, Anwälte, Ehrenamtliche und mehr: Menschen, die wiederum helfen können, in Deutschland Fuß zu fassen.
Die Beratungsstellen müssten aufgrund der steigenden Anforderungen entlastet werden.
Marc Schaaf: „Wieso die Migrationsberatungen als gesellschaftliches Bindeglied nicht weiter angemessen unterstützt werden sollen, ist uns ein Rätsel. Im Gegenteil: Die Beratungsstellen müssten aufgrund der steigenden Anforderungen entlastet werden, ihre Qualitätsstandards müssen nachhaltig sichergestellt sein und die Mittel verstetigt werden. Nur so schaffen wir es, die Herausforderungen der Zuwanderung auch zukünftig gesamtgesellschaftlich zu meistern.“