Die Wut verstehen

15.10.2026

Hannes Kreschel und Serdar Yüksel über Misstrauen, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Debatten werden rauer, das Vertrauen in staatliche Institutionen schwindet und gesellschaftliche Gräben scheinen tiefer zu werden. Mit seinem Buch „Wutbürger.exe“ begibt sich Journalist und Autor Hannes Kreschel auf die Suche nach den Ursachen dieser Entwicklung. Rund 120 Gäste folgten der Einladung der AWO Bochum in die KoFabrik, um Einblicke in seine Recherchen zu erhalten und gemeinsam über Demokratie, Zusammenhalt und Dialog zu diskutieren.

Für sein Buch reiste Hannes Kreschel quer durch Deutschland. Er sprach mit Menschen, die sich von Politik und Gesellschaft entfremdet fühlen, mit Anhänger*innen von Verschwörungserzählungen, AfD-Wähler*innen und Bürger*innen, die ihrer Enttäuschung und Wut Ausdruck verleihen. Entstanden ist ein eindringliches Porträt eines Landes zwischen Verunsicherung, Misstrauen und der Suche nach Orientierung.

Anhand ausgewählter Kapitel gab Hannes Kreschel Einblicke in seine Begegnungen und Recherchen. Dabei wurde deutlich, dass hinter gesellschaftlicher Unzufriedenheit oft komplexe persönliche Erfahrungen, wirtschaftliche Sorgen und tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen stehen.

Demokratie lebt vom Dialog

Im anschließenden Gespräch mit Serdar Yüksel, Unterbezirksvorsitzender AWO Ruhr-Mitte, standen gesellschaftlicher Zusammenhalt, politische Beteiligung und die Frage im Mittelpunkt, wie Dialog auch dort gelingen kann, wo Positionen weit auseinanderliegen.

Eigene Eindrücke brachte Serdar Yüksel von der vergangenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit, die er vor Ort begleitet hatte. Die dort geführten Gespräche hätten ihm teilweise erschütternd vor Augen geführt, wie tief das Misstrauen gegenüber Politik und demokratischen Institutionen bei manchen Menschen inzwischen sitzt. Umso wichtiger sei es, miteinander im Gespräch zu bleiben und demokratische Beteiligung aktiv zu fördern.

Die zahlreichen Nachfragen und Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, wie sehr die angesprochenen Themen bewegen. Schnell entwickelte sich die Veranstaltung zu einem lebendigen Austausch, der weit über eine klassische Buchlesung hinausging.

Räume für Begegnung schaffen

Die große Resonanz auf die Veranstaltung macht deutlich: Das Interesse an gesellschaftspolitischen Fragen ist ungebrochen. Zugleich wurde spürbar, dass viele Menschen den Wunsch teilen, miteinander statt übereinander zu sprechen. Ein offener und respektvoller Dialog bleibt eine wichtige Voraussetzung für gesellschaft-lichen Zusammenhalt.