Historie – Die Geschichte der Arbeiterwohlfahrt
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- Marie Juchacz auf einem Porträt
Am 13. Dezember 1919 beschloss der Reichshauptausschuss der SPD in Berlin eine eigene sozialdemokratische Wohlfahrtsorganisation, auch als Gegengewicht zu bürgerlichen und konservativen Verbänden, ins Leben zu rufen.
Hauptinitiatorin und spätere Vorsitzende war Marie Juchacz. Sie wurde zur zentralen Frauensekretärin der SPD berufen und gehörte dem Reichstag bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 an. Sie brachte das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz 1926 in deren damaligen Reichstag ein, das heute noch als Vorläufer unseres Kinder- und Jugendhilferechts gilt. Die Arbeiterwohlfahrt war von Anbeginn Ort sozialer Arbeit. Sie verwaltete öffentliche Einrichtungen und Mittel und war sozialpolitisches Sprachrohr der Arbeiterbewegung.
Die erste Reichskonferenz des Verbandes fand im Jahre 1921 in Görlitz statt und schon 1926 umfasste die AWO bereits 34 Bezirke mit 1.914 Ortsausschüssen und etwa 150.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Auf dieser breiten Basis wurden Volksküchen, Freizeiten für Kinder und Hilfen jeder Art für sozial Bedürftige organisiert.
Nach der Machtergreifung durch Hitler und die Nationalsozialisten am 30.01.1933 begann in Deutschland die Verfolgung politisch anders Denkender. Die AWO leistete Hilfen für die Familien Inhaftierter, Emigrierter und Ermordeter. Bald war sie selber Zielscheibe nationalsozialistischer Aggression. Im Mai 1933 erfolgte die Auflösung und das Verbot der AWO. Alle Einrichtungen wurden beschlagnahmt. Für die Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt war die Zeit von 1933 bis 1945 geprägt durch Verfolgung, Inhaftierung, äußere und innere Emigration sowie zum Teil aktiver Widerstandsarbeit.
Im Januar 1946 erfolgte die formelle Wiedergründung – die erste Reichskonferenz fand 1947 in Kassel statt. Die AWO verstand sich nun als eine selbstständige, unabhängige Organisation und nicht, wie bis 1933, als eine an die SPD angeschlossene Gliederung. Praktische Hilfe wird geleistet, ohne nach politischer oder konfessioneller Zugehörigkeit zu fragen. Das amtliche Gründungsdatum der Arbeiterwohlfahrt Bezirk Westliches Westfahlen e. V. ist der 17. Juni 1945. Im Dezember 1946 trafen sich 289 Ortsausschüsse zur ersten Bezirkskonferenz. Im Jahr 1948 wurden im Bezirk Westliches Westfalen bereits 530 Ortsausschüsse mit rund 90.000 Mitgliedern gezählt. Auf Grund der hohen Arbeitslosigkeit waren die Mitgliederzahlen in den Folgejahren jedoch rückläufig.
Heute organisiert der Bezirk Westliches Westfalen e. V. über 50.000 Mitglieder in ca. 350 Ortsvereinen und 19 Kreisverbänden/Unterbezirken. Darüber hinaus sind mehr als 80 eingetragene Vereine bzw. gemeinnützige Gesellschaften (gGmbH) als korporative Mitglieder der Arbeiterwohlfahrt angeschlossen.
In den mehr als 60 Seniorenzentren, den über 400 offenen Ganztagsgrundschulen sowie in vielen anderen Einrichtungen und Projekten des Bezirksverbandes sind insgesamt ca. 14.000 hauptamtliche Mitarbeiter/innen tätig. Damit ist der Bezirk Westliches Westfalen e. V. heute der mit Abstand größte AWO-Bezirk in der Bundesrepublik Deutschland.
» […] Eine Wohlfahrtspflege, ausgeübt durch die Arbeiterschaft. Eine Organisation, hervorgewachsen aus der Arbeiterbewegung, mit dem bewußten Willen, in das große Arbeitsgebiet der Wohlfahrtspflege ihre Ideen hineinzutragen, die Idee der Selbsthilfe […] und Solidarität, aber auch die Idee, daß Wohlfahrtspflege vom Staat und seinen Organen betrieben werden muß, und daß auch diese Arbeit bewusst ausgeübt werden muß von lebendigen Menschen.«
Marie Juchacz (1924)
